Bunkertypologie und Informationen

Bunker Wiki
(Quelle: Wikipedia)

Als Bunker werden schützende Bauwerke bezeichnet, die die Insassen oder die Umgebung vor direkter Gefährdung bewahren. Hierzu gehören die direkte Einwirkung von Waffen, der Schutz von Personen vor Gefahrstoffen beziehungsweise die Eindämmung von Gefahrstoffen.

Militärische Bunker haben den Zweck, die eigenen Stellungen zu festigen und einen Angriff des Gegners zu erschweren. Sie können als Verteidigungsanlage, Unterstand für Kriegsgerät oder als Kommandozentrale dienen.

Hier geht es hauptsächlich um Zivilen Luftschutz um die Bevölkerung schützen. Zusätzlich zu Bunkern wurden für den Zivilschutz auch noch andere Schutzraumformen entwickelt, in der Hauptsache durch Befestigung und Verstärkung von vorhanden Kellerräumen. Weiterhin wurden Splitterschutzgräben angelegt (offen und gedeckt) sowie weniger stark geschützte unterirdischen Betonröhren.

Informationen zu allgemeinen Luftschutzmaßnahmen

Durch die fortschreitende Entwicklung in der militärischen Luftfahrt wurde die Notwendigkeit des zivilen Luftschutzes bereits während des 1. Weltkrieges erkannt, die Maßnahmen beschränkten sich jedoch auf Verdunklungsvorschriften, den Einsatz von Warnsirenen und die Anlage einfacher Gräben oder Stollen. Nach dem Versailler Vertrag von 1918 waren alle Mittel des aktiven Luftschutzes für Deutschland verboten. Trotzdem wurde zu Zeiten der Weimarer Republik der rechtliche Luftschutz und Richtlinien zur Organisation ausgearbeitet. Der Schwerpunkt lag auf dem Schutz der Zivilbevölkerung. Die Nationalsozialisten bauten die rechtlichen Verankerungen weiter aus und regelten Aufgaben, Organisation und Durchführung. So wurde schon im April 1933 der „Reichsluftschutzbund“ gegründet. Ab Juni 1935 wurden mit dem „Reichsluftschutzgesetz“ alle Mieter und Hauseigentümer als „luftschutzpflichtig“ erklärt. Maßnahmen zur Ertüchtigung von Kellern mittels Deckenverstärkung und gasdichten Türen mussten getroffen werden um mögliche Angriffe zu überstehen. Zusätzlich waren Feuerlöscheinrichtungen und Verletztenvorsorge zu organisieren. Die Polizeibehörden waren für Organisation und Kontrolle aller Maßnahmen zuständig. Neben diesen zivilen Selbstschutz wurde ein „Erweiterter Selbstschutz“ für Betriebe organisiert. Öffentliche Schutzräume wurden an Verkehrseinrichtungen und Plätzen geschaffen, um Reisenden Schutz zu bieten. Bei der parallelen Entwicklung geeigneter Bautechniken für Schutzbauten wurden ab 1936 zunächst Hochbunker in Turmformen entwickelt. Ab Kriegsbeginn 1939 wurden viele der Aufgaben im Luftschutzdienst an Frauen übertragen, und später auch an Jugendliche.

Entwicklung

In Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs wurden in Deutschland ab den 1930er Jahren Luftschutzbunker errichtet. Ab 1940 erfolgte das dann unter der Leitung Hermann Görings als Oberbefehlshaber der Luftwaffe in größerer Zahl in allen großen deutschen Städten, die als Luftschutzorte erster Ordnung eingestuft waren. Die Bunker sollten dem Schutz der Zivilbevölkerung dienen. 1941/42 waren die meisten Bunker fertiggestellt und retteten bei Luftangriffen vielen Menschen das Leben.Da die Bunkeranlagen für den Luftschutz mit meterdicken Betonwänden errichtet wurden, um den Bomben stand zu halten, war es in vielen Fällen zu aufwendig, sie nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zu beseitigen. Sie sind deshalb in vielen Großstädten des ehemaligen Großdeutschen Reiches in großer Anzahl erhalten. Sie wurden zum Teil während des Kalten Krieges weiter als Luftschutzbunker vorgehalten, teils zivilen Nutzungen zugeführt, stehen zum Teil leer, weil eine Konversion aufgrund der baulichen Gegebenheiten nur schwer möglich ist. Sie stehen zum Teil unter Denkmalschutz.

Informationen zum beschleunigten Bunkerbau ab 1940

Im Verlauf des Krieges begannen auch Bombenangriffe auf zivile Wohngebiete, und es wurde deutlich das die bisherigen Luftschutz-Maßnahmen unzureichend waren. Daher wurde ein „Führer-Sofortprogramms“ im September 1940 gestartet um die Entwicklung von Schutzbauten zu beschleunigen. Dieses „Sofortprogramm“ enthielt Bestimmungen zur Durchführung baulicher Maßnahmen im Luftschutz mit detaillierten Angaben über die Art der zu errichtenden Gebäude. Mit der Durchführung beauftragte man die Organisation Todt als größte, zivile Arbeitsorganisation für militärische Infrastrukturbauten. Das „Sofortprogramm“ erfasste 61 deutsche Großstädte oder Industriestandorte, darunter auch Leverkusen. Im Juli 1941 erließ das Reichsluftfahrtministerium allgemeingültige „Bestimmungen für den Bau von Luftschutzbunkern“. Diese Richtlinien wurden kontinuierlich aktualisiert, zuletzt Ende Mai 1944. Bunker mussten erschütterungssicher (gegen Sprengbomben), nicht brennbar (gegen Brandbomben), mit durchschlagsicheren Decken versehen und leicht zu entgiften sein. Dazu kam ein zweckmäßiger Grundriss mit Fluchtmöglichkeiten (Treppenhäuser, Notausgänge) und eine ausreichende Wandstärke im Verhältnis zur Größe. So variieren die Mindestdicken der Wände und Decken mit dem Fassungsvermögen der Bunker: bei mehr als 1500 Personen 3m; bei 300-1500 Personen 2,50m und bei bis zu 300 Personen 2m.

Bis Ende 1941 wurden 839 Bunker mit etwa 400.000 Schutzplätzen fertiggestellt. Ab Sommer 1941 gab es eine zweite Bauwelle bei der weitere 500.00 Schutzplätze entstehen sollten. Bis Mai 1943 wurden etwa 3000 Bunker teilweise fertig. Mangel an Material und Arbeitskräften verzögerten oft die vollständige Fertigstellung und es wurden daher vermehrt der Bau von materialsparenden Splitterschutzgräben in Gärten durchgeführt. Ebenso wurde der Bau von Tiefbunkern eingestellt, da sie fünfmal soviel Beton verbrauchte wie der Bau von Hochbunkern. Auf dem heutigen Gebiet von Nordrhein-Westfalen wurden 540.000 m² Schutzraumfläche geschaffen, 77% davon waren Hochbunker. Diese wurden dabei freistehend, an ein Gebäude angebaut oder in bestehende Bebauung eingebaut. Ihre äußere Form war vielgestaltig und orientierte sich am Stadtbild und seiner regionaltypischen Bebauung, zudem verwendete man gerne zur Tarnung althergebrachte Formen wie Kirchen, Burgen oder mittelalterliche Befestigungsanlagen.

Bauformen

Es wird zwischen unterirdischen Anlagen (Tiefbunker) und oberirdischen Anlagen (Hochbunker) unterschieden. Die Grundrisse können unterschiedlich gestaltet sein. Hochbunker erhielten zur Tarnung häufig ein konstruktiv nicht notwendiges Dach, um sie aus der Luft wie Wohnhäuser erscheinen zu lassen.

Mitunter war dies, etwa beim Hochbunker in der Innenstadt von Trier, auch vorgesehen um die Bunkerbauten optisch besser ins Stadtbild zu integrieren, aus dem gleichen Grund wurden auch Verputz und Anstrich der Außenflächen ausgeführt.

Luftschutzbunker sind hauptsächlich aus Stahlbeton hergestellt. Dazu wurde im Zweiten Weltkrieg in der Anfangszeit die Gitterraumbewehrung, vor allem die Spiralbewehrung von DYWIDAG und die Braunschweiger Bewehrung benutzt. Wand- und Deckenstärken betragen bis zu 3,50 m. Die Eingänge sind zusätzlich durch Betonschilde, sogenannte Splitterschutzmauern, geschützt.

Luftschutzbunker des Zweiten Weltkriegs waren meist kleinräumig unterteilt und besaßen Toilettenanlagen mit Wasserspülung (es werden Trockenklosetts vorgehalten). In Nebenräumen sind meist Küchen, Vorratsräume, ärztliche Behandlungszimmer, Sarglager und ähnliches vorhanden. Um einem möglichen Angriff mit Giftgas vorzubeugen, verfügten die Luftschutzbunker über eine Gasschleuse mit zwei Türen, von denen im Falle eines Gasalarms immer nur eine geöffnet werden durfte. In brandgefährdeten Bereichen wurde die angesaugte Frischluft durch einen Sandfilter geführt (über elektrische Lüfter oder Handkurbellüfter), um die Temperatur heißer Rauchgase abzusenken. Das Eindringen von Gas in den Schutzraum wurde durch einen leichten Überdruck im Schutzraum verhindert.

Grundriss Bunker Anhalter Bahnhof, Berlin

Bildnachweise

Bunker Gießen Typ Winkelturm ©Doris Antony, Berlin, CC BY-SA 3.0
Hochbunker Sievekingdamm Hamburg © Uwe Rohwedder, CC BY-SA 4.0Medienbunker Hamburg: KMJ, CC BY-SA 3.0
Bunker Kronacher Straße Fürth © Aarp65, CC0
Medienbunker Hamburg FLAKTurm © KMJ, CC BY-SA 3.0
Bunker Trier: ©Roland Schaper
Grundriss Bunker Anhalter Bahnhof: Enno Lenze, Copyrighted free use, via Wikimedia Commons