Bayer-Kaufhaus

Bayerkaufhaus um 1928

Das ehemalige Bayer-Kaufhaus von 1909 wurde im Oktober 1944 durch einen Bombenangriff zerstört und nach dem zweiten Weltkrieg in einem nüchterneren Stil wieder aufgebaut. Zum Bau der Rathausgalerie wurde es endgültig abgerissen

Das 1911 errichtete repräsentative Bayer-Kaufhaus sollte den Käufern unter einem Dach das bieten, was man auch in einer größeren Stadt in einem modernen Kaufhaus erwarb. Rabatte für Bayermitarbeiter und ihre Familien vergünstigten den Einkauf. Neben dem Haupthaus am Ende der Hauptstraße gab es weitere kleine Kaufhäuser in den unterschiedlichen Stadtvierteln, in denen vornehmlich Erzeugnisse für das tägliche Leben erworben werden konnten. Mit dem Abriss des Bayerkaufhauses zur Errichtung der Rathausgalerie gin ein Stück Leverkusener Konsumgeschichte zu Ende, über die die Bürger gerne in Erinnerung an das Bayerkaufhaus berichten.

Wegbeschreibung

Rechts geht der Weg in die Dhünnstraße Richtung Kaiserplatz. Rechts folgen wir der Liebigstraße bis zur links abbiegenden August-Wilhelm-von-Hoffmann-Straße mit besonders schönen Giebeln. Von dieser Straße biegen wir rechts in die Adolf-Baeyer-Straße ein. Unser Weg führt dann über die Clemens-Winkler-Straße weiter über den Clemens-Winkler-Platz, eine etwas später entstandene Anlage mit sparsamem Dekor im Rheinverbund. Wir kommen wieder zur Dhünnstraße und überqueren die Wöhlerstraße in Richtung Rathausgalerie.

Straßenkarte mit Wegeführung (Rot = Ziel)

Neue Modetrends

„Eine Frau sollte sich jeden Tag so anziehen,
als könne sie ihrer großen Liebe begegnen…“

Coco Chanel

1921 erschuf Coco Chanel das Parfüm Chanel No. 5.
1926 kreierte sie das „kleine Schwarze“ zum Anziehen.

Die Kleidung wurde in den 20er Jahren knieumspielt. Die Schnitte wurden hemdblusenartig sachlich. Der neue Modeschuh hieß Pumps. Zum neuen Outfit gehörte ein Bubikopf und rot geschminkte Lippen.

Im Bayer-Kaufhaus einkaufen

Haushaltswaren
Verkaufstheke mit Lebensmitteln
Näh-Utensilien

Das Bayer-Kaufhaus hatte zahlreiche Abteilungen z. B. Haushaltswaren, wie Geschirr, Töpfe, Tabletts und Gläser, Drogerieartikel, in denen auch die modernen Produkte für den Sport, wie Delial Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor, Aspirin oder Cafaspin oder ein Weißmacher für die Wäsche mit dem Basisprodukt Blancofor zu erwerben waren.

Im Bayer-Kaufhaus gab es sogar günstige Möbel zur Einrichtung der Koloniehäuser. Diese konnten mit Ratenkrediten erworben werden.

Mit der aufkommenden Sportmode richteten die Kaufhäuser in der Regel auch Sportabteilungen ein, in der man einerseits Kleidung und andererseits Sportgeräte, wie Bälle, Tennis- und Hockeyschläger, Ski, Sonnenbrillen und vieles mehr kaufen konnte.

Ein Herzstück jedes Kaufhauses war die Kleiderabteilung für Damen, Herren und Kinder. Wir gehen hier auf Streifzug zur Ausstattung von Frauen, da die Entwicklung neuer Materialien zu einer veränderten Frauenmode führte.

 

Audio: Die Kleidung selber nähen

Unterwäsche

Gehäkelter Büstenhalter aus Kunstfasergarn verschlossen mit Gummiband und Wäscheknöpfen

Im letzten Quartal gründeten sich Reformbewegungen zur praktischen Gestaltung der Frauenkleidung. Hosen waren ab dem 13. Jahrhundert ein eindeutiges männliches Kleidungsstück. Frauen trugen Röcke und Kleider, darunter oft nichts. Der erste Erfolg der Reformbewegungen (Ende 19. JH) zur Verbesserung des Tragekomforts von Frauenkleidung waren röhrenartige Unterhosen aus Spitze, die zumindest etwas unter dem Rock wärmten.

Das Oberteil der sozial hochstehenden Frauen wurde durch ein Schnürmieder mit zarter eng geschnürter Taille modelliert. Polster an den Schultern, an der Brust und am Po gaben der Statur ein kurvenreiches Aussehen. Harte Korsettstangen, lange Schnürungen und viele Haken und Ösen erzeugten eine mühsam anzuziehende einengende Unterwäsche, die bei Bewegung zuweilen zur Luftnot führte. Hart arbeitende Frauen trugen andere, weniger einengende und praktische Kleidung. Demzufolge war im 20. Jahrhundert ein wichtiger Schwerpunkt der Reformbewegung die Abschaffung der einengenden Frauenunterkleidung.

Besonders das damals sehr populäre Wandern, Radfahren und der Ballsport erforderte eine Modifikation der Unterwäsche, denn lange Spitzenunterhosen und aufwendige einengende Corsagen entsprachen nicht mehr den Anforderungen einer Frau in Bewegung.

Auch wenn sich in den zwanziger Jahren völlig neue Unterwäschemodelle durchsetzen, standen Frauen in einem gewissen Zielkonflikt: Einerseits wollten sie nicht auf figurmodellierende Helfer bei Pölsterchen oder im fortgeschrittenen Alter verzichten, andererseits wollten sie autarker beim Ankleiden werden. Eine berufstätige Frau hatte in der Regel kein Mädchen, das morgens beim Schnüren der Corsage auf dem Rücken half.

Mitte der zwanziger Jahre gab es dank der chemischen Industrie neue Helfer in Form von elastischen Gummibändern. Sich dem Körper anpassende Dessous-Moden halfen, sich beim Sport freier zu bewegen und den beruflichen Tag besser durchzustehen. Die Unterhosen wurden kürzer, die Corsage schrumpfte auf einen praktischen elastischen BH mit Hemdchen. Die Silhouette der Frau in den Golden Twenties kam knabenhaft schlank daher. Die Taille wurde überspielt, die Brust nicht mehr übermäßig betont: Gerade, klar und sachlich, wie der Bubikopf war die neue Linie der Frau.

Da die Miedermode relativ teuer war, behalfen Frauen sich mit selbstgemachten Modellen, die sie z. B. aus dem neuen bei Bayer hergestellten Kupferkunstseidefäden häkelten. An Stelle von Leinen und schwerer Baumwolle wurden nun dünne Trikot- und Netzstoffe verwendet. Zarter Batist oder die kostengünstige Kunstseide ermöglichten schmiegsame Dessous. Die Schnitte waren so einfach, dass junge Frauen Hemdchen selbst nähen konnten. Schnittmuster und Anleitungen in Handarbeitszeitschriften für die zarte Leibwäsche aus Kunstseide in angesagten Pastelltönen waren sehr populär.

Luft an den Körper zu lassen, galt in den zwanziger Jahren als „modern“ und entsprach den damals aktuellen Forderungen der orthopädischen Medizin und Hygiene.

Sich ohne Zwänge in Beruf und Freizeit bewegen können war der neue Trend, der zudem durch neues und günstiges Material für breite Schichten der Bevölkerung möglich wurde. Dank der Kunstseide konnte sich nun viele Frauen einen Traum von Luxus erfüllen. Im Massenkonsum wurde Mode egalitärer und demokratischer. Zugleich schafften die Hersteller der Kunstseide einen neuen Absatzmarkt in Deutschland, der half das mit dem Kriegsende zusammengebrochene Auslandsgeschäft zu kompensieren.

Strümpfe und Schuhe

Verpackung für Strümpfe
Pumps mit Gummisohle, aufgenommen im Bauhausmuseum Dessau

Die größte Veränderung gab es allerdings im Strumpfbereich. Unter dem neuen knieumspielten geraden Rock im Stil der Chanel Kleidung trugen Frau neue Perlonstrümpfe, die wesentlich preisgünstiger als die traditionellen Seidenstrümpfe waren. Seidenstrümpfe wurden nach der Erfindung des Endlosgarnes „Kupferkunstseide“ im Nassspinnverfahren bei Bayer in Dormagen möglich.

Die im trockenspinnverfahren hergestellten Produkte Perlon, Dralon (Marktreife zwischen 1932 und 1938) waren die Basis für die Massenproduktion. Von Seiten der alten Farbenbetriebe gab es innerhalb des Werkes große Widerstände gegen diese neuen Fertigungstechniken. Sie wurden als Konkurrenz im eigenen Haus eingeschätzt. Die Spinnfärbung wurde bei der Bayer AG 1938 von Duisberg per Direktionsentscheidung durchgesetzt. Sie war die Basis für die spätere Markteroberung der Perlon- und Nylonstrümpfe in den 30er bis 50er Jahren. Ein besonderer Hit waren die Netzstrümpfe für das abendliche Vergnügen.

Auch die Schuhmode veränderte sich passend zur neuen kurzen Kleidung. Der moderne Allrounder für die berufstätige Frau wurde der bequeme Pumps. In der Kaiserzeit trugen Frauen in der Regel Stiefeletten – ein gewöhnliches Paar für den Alltag und ein gutes Paar für den Festtag. In der Weimarer Republik wurde auch die Schuhmode vielfältiger. Pumps fürs Büro, Schnürschuhe für Hosen und Sport, leichte Turnschuhe für die Gymnastik und Gummischuhe für das Baden oder den Regen.

Neu war auch die Farbigkeit der Schuhe passend zur Oberbekleidung. Die Bayer AG half gleichfalls die neuen Schuhe auszustatten. Das Lederfarbenlabor produzierte strapazierfähige und lichtechte bunte Lederfarben. Die Kautschukfabrikation lieferte ab Mitte der zwanziger Jahre Gummi für Sohlen. Das machte insbesondere Sportschuhe wesentlich leistungs- und strapazierfähiger. Aber auch für den Büropumps waren Gummisolen eine echte Innovation. Schuhe mit Gummisohlen mussten nicht so oft zum Schuster.

Hosen

Frau in der Sprengstoffindustrie beim Befüllen von Bomben
Marlene Dietrich, (Stilikone der 20er Jahre) in Hosen auf einem Schiffsdeck 1930

Da der Aktivitätenradius der Frauen deutlich größer wurde, kamen neue Kleidungsstücke, wie die für den Sport oder das Abenteuer auf einer Reise hervorragend geeignete Hose auf den Markt. Mit dem Sport setzen sich weitere Reformbestrebungen durch. Besonders beim Radfahren sollte den praktischen Bedürfnissen Rechnung getragen werden. So gab es ab 1900 die ersten Hosenröcke. Im ersten Weltkrieg arbeiteten Frauen aus Sicherheitsgründen in der Sprengstoffproduktion ebenfalls in Hosen.

Nach dem ersten Weltkrieg und mit der Einführung des Frauenwahlrechts wurden die Hosen zum neuen modischen Kleidungsstück der emanzipierten Frau. Hosen wurden im Sport, beim Abenteuer auf Reisen oder beim Autofahren im Cabrio angezogen. In den zwanziger Jahren trugen Sekretärinnen im Büro noch keine Hosen.

Damenoberbekleidung und Ausgehkleidung

Kleidung fürs Büro von Chanel
Charlestonkleid, um 1925
Charlestonkleid, um 1925

Eine Hemdbluse aus Kunstseide und ein gerader enger knieumspielter Rock war die Standardkleidung der Frau im Beruf. Darüber ließ sich eine Strickjacke oder ein Jackett tragen. Die bevorzugten Farben der Bürokleidung waren Dunkelblau, Grau und Schwarz. Grün oder Weinrot entwickelte sich zur trendigen Modefarbe für ein auffallendes Kleidungsstück. Über dem Straßenjackett trug die modische Frau gerne einen auffälligen Fuchskragen. Auf den Kopf gehörte damals ein Hut. Gute Hüte wurden gefilzt, für den Sommer gab es geflochtene Strohhüte. Hüte ließen sich damls durch Kunstseidenbänder oder Kunstseidenblumen oder bunte Federn auf die aktuelle Kleidung abstimmen. Die typischen praktischen sachlichen Kleider fürs Büro wurden in Frankreich von Coco Chanel entwickelt.

Ausgehen in Filmpaläste oder zum Tanz wurde in den 20er Jahren in der Bevölkerung sehr populär. Mit Perlen und Pailletten verzierte Charlestonkleider am Abend zeigten, hier ist ein veränderter Frauentyp unterwegs: emanzipiert, selbstständig, mit eigenem im Beruf verdienten Geld. Charlston-Kleidung mit Pailletten oder Fransen besetzt, schwangen beim modernen Tanz um den Körper. Lange Kunstperlenketten, Stirnbänder oder Federn rundeten den Ausgehlook ab. Entsprechende Kleidung konnten Frauen relativ einfach durch das Aufnähen vorgefertigter Pailletten oder Franseln selbst fertigen, falls das Portemonnaie die Anschaffung im Laden nicht erlaubte. So konnte das Ladenmädchen oder Bürofräulein in selbst gefertigter Ausgehkleidung auf dem Parkett glänzen.

Sportkleidung

(Erlaubte) Sportbekleidung

Dank neuer elastischer Strickverfahren (Bleyle) und elastischer Gummis (deren Grundsubstanz Kautschuk auch bei Bayer produziert wurde) wurde die Sport Kleidung komfortabler im Tragen. Die neue Sportmode war besonders für Frauen ein großer Fortschritt, da nun die lange bewegungseinengende Kleidung entfiel. Der typische Sportdress der Sportlerin war fast bis in die 70er Jahren die schwarze elastische Hose und ein weißes Hemd. Im Übergang der zwanziger Jahre setzte sich die neue Sportkleidung allmählich durch. Oft fing die Veränderung mit einer langen Hose an. Ruderer nahmen z. B. gerne eine leichte Frau zum Steuern mit in ihr Achterboot.

Mit der Machtergreifung des Dritten Reichs fand eine deutliche Rückwärtsbewegung in der Sport und Freizeitkleidung statt. Sport wurde gefördert, jedoch achtete man bei der Kleidung verstärkt auf die Sittlichkeit. So wurden nur noch Schwimmkleider gestattet, die kurz über dem Knie endeten. Die Länge wurde zuweilen in den Badeanstalten kontrolliert.