Alkenrath und Schlebusch

Standorte der Skulpturen Alkenrath/Schlebusch

Vom Schloss geht die Rückfahrt an der Dhünn entlang zum Rheinufer. Den Weg weisen die Hinweisschilder zum Fahrradweg mit roter Schrift.

Skulptur von Hans Uhlmann
Skulptur von Kurt Arentz
Skulptur von Henri Nouveau

Der Stadtteil Alkenrath wurde im Jahre 1953 im Zuge der Nachkriegsentwicklung gegründet und ab 1955 als „Nachbarschaftssiedlung“ erschlossen und erbaut. Der Stadtteil in unmittelbarer Nähe zum Schloss Morsbroich ist der erste systematisch geplante Stadtteil mit Wohnblocks, Reihenhäusern, Doppel- und Einfamilienhäusern. Viel Grün und Möglichkeiten der Naherholung im angrenzenden Bürgerbusch machten den neuen Stadtteil zum beliebten Wohnquartier. Das kleine Zentrum mit Geschäften, Kirche und Sozialeinrichtungen liegt an der Alkenrather Straße. Hier befindet sich auch ein See, in dessen Mitte 1958 eine Skulptur des Künstlers Hans Uhlmann für die Verfolgten des Nationalsozialismus errichtet wurde. Der Berliner Künstler gilt als Begründer der Metallplastik für den öffentlichen Raum in Deutschland.

1956 beschloss der Rat der Stadt Leverkusen, die Straßen der neuen Siedlung nach Widerstandskämpfern des 20. Juli 1944 zu benennen und ein entsprechendes Mahnmal zu errichten. Die große Skulptur inmitten eines Teichs war das erste Widerstandsdenkmal der Nachkriegszeit in Deutschland. Der Künstler und Ingenieur Uhlmann (1900-1975) war selbst Verfolgter der Nationalsozialismus.
Das Aufstellen einer so prominenten Plastik in einem normalen Wohnviertel für Bürger war ein Novum. Es zeigt, dass Leverkusen zu dieser Zeit keine Kosten und Mühen scheute, der Stadt ein fortschrittliches und weltoffenes Antlitz für alle Bürger zu geben.

Schlebuscher Bauprojekte: Zylindersiedlung
Gezelinallee
Hammerweg

Der Stadtteil Schlebusch erfreute sich ab den 1950er-Jahren einer zunehmenden Beliebtheit. Die Waldsiedlung bot urbane Wohnmöglichkeiten, die Errichtung des Klinikums und des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums machten den Stadtteil für Familien der Bayer-Mitarbeiter attraktiv. Ein weiterer Freizeit- und Erholungswert entstand durch die Öffnung des Wuppermannparks an der Dhünn. Die Umwandlung der Bergisch Gladbacher Straße in eine Fußgängerzone und die Erschließung neuer Wohnviertel, z. B. am Hammerweg, am Grünen Weg, an der Gezelinallee oder am Leimbacher Berg insbesondere für eine gutbürgerliche Bevölkerungsschicht führte zu einem urbanen Zentrum, in dem 2002 vor dem ehemaligen Wohnhaus von Jacob Salentin von Zuccalmaglio eine von Kurt Arentz gefertigte Büste des einstigen Bürgermeisters aufgestellt wurde.

Schlebusch war früher ein Straßendorf mit hohem Verkehrsaufkommen. Der Ort entstand vor rund 230 Jahren als Durchgangsstraße von Köln-Mühlheim Richtung Wermelskirchen und später mit dem Anschluss an Preußen nach Berlin. In Schlebusch mussten für den Anstieg ins Bergische zusätzliche Pferde vor die Kutsche gespannt werden. Daher bekam der Ort den Zusatznamen das „Bergische Tor“. Die Wandlung in einen verkehrsberuhigten Ortskern im Jahr 1994 ermöglichte die Entstehung eines gemütlichen, dörflichen Flairs mit Straßencafés, Geschäften und Restaurants. Am Lindenplatz, dem Beginn der Fußgängerzone, gestaltete Eberhard Foest 1994 das Kunstwerk „Bergisches Tor“ in Kombination mit einer Brunnenanlage.

Die Villa Wuppermann mit Foest`s Figurengruppe

1887 erwarb die Stadt Leverkusen das Anwesen rund um die Villa Wuppermann, das heute für Events und Feiern zu günstigen Konditionen angemietet werden kann. Mit dem Park der Villa Wuppermann und den Parkanlagen der anderen Villen Richtung Museum Sensenhammer entstand mitten im Ortskern ein attraktives Freizeitgelände für Spaziergänger, Radfahrer und Familien mit Kindern.

Im Zuge der Wandlung der Villa Wuppermann in ein Bürgerzentrum und der Öffnung der Parkanlage errichtete Eberhard Foest sein buntes Figurenensemble im Rondell der Auffahrt vor der Villa.

Bereits Ende der 1950er-Jahre wurden die ersten Gebäude des Leverkusener Klinikums am Dhünnbogen errichtet. Auch hier stellte man Kunstwerke im Klinikpark auf. Ein bemerkenswertes Werk ist die 1970 errichtete Stahlplastik von Henri Nouveau (Henrik Neugeboren) „Hommage à Johann Sebastian Bach“, in dem eine Musikfrequenz des wohltemperierten Klaviers anhand einer 1928 gefertigten dreidimensionalen Skizze in eine Skulptur gebracht wurde. Kunstwerke des surrealistischen Weltkünstlers sind sonst in den Weltmuseen von Paris, Amsterdam und Kopenhagen zu bewundern. Nicht so in Leverkusen, hier steht die hohe Kunst im öffentlichen Klinikpark zur Erbauung der Patienten.

Über eine Brücke, die über die Dhünn führt, gelangen wir vom Klinikum zum Gelände des Schlosses Morsbroich.

Schloss Morsbroich: Vom Rittersitz zum Zentrum für moderne Kunst

Schloss Morsbroich, Museum für nonfigurative Kunst

Im 14. Jahrhundert wurde das Gebäude des Moir von dem Broiche in der sumpfigen Dhünnauenlandschaft erstmalig urkundlich erwähnt. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb der Deutschritterorden Morsbroich. Felix von Roll, wandelte um 1775 den schlichten Rittersitz zum „Maison de plaisance.“ Der Architekt Johann Georg Leydel schuf für ihn ein Rokokoschlösschen mit ringförmiger Wirtschaftsanlage, in der sich Ställe, Scheunen, Wirtschafts- und Verwaltungsräume sowie Gesindewohnungen befanden.

Der Garten hinter dem Schloss wurde zunächst im geometrisch gegliederten Stil des Rokoko angelegt, aber schon bald im englischen Landschaftsstil mit Nutzbäumen umgestaltet. Ein wesentliches dekoratives Element waren die durch den Mühlenbach gespeisten Wasserkaskaden und der Teich. Einige Bäume stammen noch aus dieser Zeit.

1795 besetzten die Franzosen das Rheinland. 1806 ging das Schloss gemäß dem Wiener Vertrag an Napoleons Schwager, Joachim Murat, über. Nachdem das Rheinland an Preußen abgetreten wurde, erwarb 1817 der Kölner Bankier Schaaffhausen das Anwesen. Fünfzig Jahre später geriet das Bankhaus in wirtschaftliche Schieflage.

1857 erwarb die Textilfabrikantenfamilie Diergardt das Anwesen. 1860 wurden die Diergardts in den Adelsstand erhoben. Das zuvor erworbene Schloss bildete den perfekten Rahmen für den gesellschaftlichen Aufstieg. Standesgemäß ließen die von Diergardts das Haus unter Leitung des Architekten Pflaume von 1885 bis 1887 zu einem Schloss mit zwei Seitenflügeln im Renaissancestil erweitern. Das Schloss blieb bis nach dem Zweiten Weltkrieg im Besitz der Familie. Im Laufe der Zeit verfiel das Gebäude allerdings. Der Zweite Weltkrieg und die Lazaretteinquartierung von Soldaten hinterließen weitere Spuren.

1948 übernahm die Stadt Leverkusen das zerfallene Anwesen mit einem zwanzigjährigen Mietvertrag. Auf Betreiben von Bertha Middelhauwe, Abgeordnete der Freien Demokraten und Förderin moderner Kunst, wurde das Gebäude restauriert und zu einem Museum für moderne nonfigurative Kunst gestaltet. Der Ankauf von Kunstskulpturen für den öffentlichen Raum erfolgte gleichfalls durch die Museumsleitung. Ausstellung und Skulpturen in der expandierenden Stadt sah man damals in einem synergetischen Verhältnis.

In der jungen Bundesrepublik, die durch den traditionellen Geschmack der Adenauer- Ära geprägt war, galt dieses erste Museum für abstrakte Kunst als eine besondere Innovation. Leverkusen hatte zwischen den künstlerisch eher traditionell aufgestellten Großstädten Köln und Düsseldorf eine eigene Marke gefunden.

Auf dem Platz vor dem Schloss befinden sich einige Kunstobjekte sowie der Springbrunnen „Water Island“ von Jeppe Hein, der die Möglichkeit bietet, sich inmitten von Wasserfontänen ablichten zu lassen. Der Brunnen ist daher ein beliebtes Fotomotiv für Hochzeitspaare oder Freundesgruppen. Hinter dem Anwesen befindet sich ein hübscher Park im englischen Landschaftsstil mit weiteren Skulpturen, wenngleich die Anlage in den letzten Jahren etwas verwildert ist. Diese Skulpturen werden hier nicht mehr besprochen, da es einen eigenen Auftritt des Museums gibt.

Bertha Middelhauve: Leverkusener Förderin der modernen Kunst im Nachkriegsdeutschland

1893 wurde Bertha in Montabaur geboren, besuchte ein Reallyzeum für Mädchen, erwarb später ihr Abitur und begann 1914 an der neu gegründeten Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main ein Lehramtsstudium.

Nach dem Abschluss führte sie 1921 der Weg als Lehrerin nach Opladen zum Mädchenlyzeum Marianum (Marienschule). 1928 heiratete sie Dr. Friedrich Middelhauwe, später stellvertretender Ministerpräsident von NRW. Das Paar hatte ein großes Interesse an moderner Kunst und unterstützte aktiv den Erwerb von Skulpturen durch die Stadt.

Bertha Middelhauwe war nach 1945 politisch aktiv und wurde Leverkusener Stadträtin. Die Rettung des Schlosses und die Museumsgründung für moderne Kunst war ihre Herzensangelegenheit. 1951 wurde das Museum für zeitgenössische, nicht figurative Kunst gegründet. Ein visionäres, aber gewagtes Unternehmen für eine damals noch provinzielle kleine Stadt. Weitere städtebauliche Projekte der Stadträtin waren die Gründung der berufsbildenden Schule in der Bismarckstraße und des Klinikums Leverkusen. Bertha Middelhauwe achtete stets darauf, dass vor den Gebäuden hochrangige moderne Kunstwerke aufgestellt wurden.

Bertha Middelhauve erhielt 1962 als erste Frau den Ehrenring der Stadt Leverkusen. 1963 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen. Gestorben ist die zähe Kämpferin für die nonfigurative Kunst 1988.