Wiesdorf

Das Forum für Bildungs- und Kulturveranstaltungen

Die City von Wiesdorf erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg einen rasanten Aufstieg. Nur ca. 20-25 Prozent der Gebäude waren im Krieg zerstört (so das Wöchnerinnen- und Mädchenwohnheim, das St. Joseph Krankenhaus, Teile des Rathauses, die Christuskirche und einige Häuser am Marktplatz). Diese Gebäude wurden zum Teil repariert oder neu gebaut. Beachtlicher waren aber die Neubauten in Folge des Stadtwachstums. Im Zuge des Baubooms wurden auch die Kolonie 1 und Teile der Kolonie 2 abgerissen und dafür neue Wohnheime, später Büros der Bayer AG sowie die Kaufhäuser an der Hauptstraße gebaut.

Entlang des Stadtparks an der Dhünn und in der Bismarckstraße entstanden mehrere Schulen im Stil der 1960er-Jahre in einer Architektur aus Glas und Beton. Ein Highlight ist die Architektur des Forums, ein kulturelles Multifunktionsgebäude, in dem Konzerte, Ballettaufführungen und andere Veranstaltungen stattfinden. Allerdings ist die ursprüngliche Konzeption mit einem korrespondierenden zweiten Gebäude, in dem die Stadtbibliothek und ein Kunstmuseum untergebracht werden sollten, nicht realisiert worden.

Das realisierte Forumsgebäude beherbergt das größte Indoor Kunstwerk des israelischen Künstlers Yaacov Agam. (Agam Saal). Mit diesem neuen Schwerpunkt in Kunst und Kultur wollte die Stadt sich von der Dominanz des Bayer Kulturbetriebs freischwimmen und eigene Schwerpunkte setzten. Die Skulpturenvielfalt aus dieser Epoche hat hier einen Ursprung.

In den Wirtschaftswunderjahren fand eine radikale Neuausrichtung der Baustile statt. Nüchterne Beton- und Klinkerfassaden wurden mit Glas und Stahl kombiniert, heute bezeichnen wir die damals topmodernen Gebäude als Bausünden.

Bauboom in der City
Einkaufszentrum Busbahnhof
Rathausgalerie

Der Klapperbrunnen – Ein verschwundenes Kunstwerk

Das alte, im Krieg beschädigte Rathaus wurde abgerissen und Oberbürgermeister Dopotka ließ ein neues modernes Gebäude mit grüngrauer Betonfassade errichten. Vor dem Rathaus stellte der Künstler Gottfried Gruner den „Klapperbrunnen“ mit einem großen Wasserbassin auf– ein Werk perfekt passend zur neuen städtischen Baukunst. Hier traf man sich, kühlte die Füße im Sommer und feierte zu den Jazztagen ausgelassen in einem Bierzelt. Mit dem Abriss des gestreiften Rathauses wurde der Brunnen abgebaut und in einem städtischen Depot eingelagert. Dennoch bleibt den Bürgern das monumentale Kunstwerk als Symbol der Zeit in guter Erinnerung.

Nach dem Krieg wuchs die Wirtschaft, viele Menschen fanden in Leverkusen eine Beschäftigung und Bayer kümmerte sich intensiv um die Gewinnung neuer Mitarbeiter und das Ausbildungswesen, die größte betriebliche Ausbildungssttädte in NRW. Da landesweit Lehrlinge und Werkstudenten rekrutiert wurden benötigte man Wohnheime. An der Hauptstraße wurden die alte Kolonie 1 und die Gebäude der Junggesellenwohnheime abgerissen. Es entstanden neue Lehrlingswohnheime und die roten Backsteingebäude des Bayer Sozialwesens. Später wurden diese Gebäude in Büros umgewandelt. Vor dem Eingang befindet sich ein Kunstwerk aus Metallröhren. Zeitzeugen berichten, dass das Werk in der Lehrlingswerkstatt geschweißt wurde.

Wasser und Begrünung schaffte Erfrischung in der City

Abtransport und Einlagerung des Aquamobils 2007

Eine weitere, erst 2020 aufgestellte Skulptur von Friedrich Engstenberg vor dem Forum erinnert an den Aufstieg von Leverkusen in die Riege der Großstädte mit über 100.000 Einwohnern im Jahr 1963. 1968 wurde das Leverkusener Forum als kulturelles Zentrum der Stadt und des Umlands eingeweiht. Der in Sechsecken gestaltete Bau in sachlichen architektonischen Linien stand lange ohne korrespondierendes Kunstwerk. Auch fehlte für den vorgesehenen zweiten Flügel das Geld.

2020 wurde endlich durch nach Anregung der AG Leverkusener Künstler mit einer Skulptur von Friedrich Engstenberg ein optischer Kontrapunkt auf der Wiese vor dem Forum gesetzt. Mit diesem Großkunstwerk (Höhe 3,5 Meter) ehrt die Stadt den Künstler, der Ende der 1960er-Jahre mit seinen Skulpturen den sachlich industriellen Baustil der damaligen Zeit, wenn auch 50 Jahre, später perfekt ergänzt.

Als die alte evangelische Volksschule von 1902 kernsaniert und zur Musikschule umgebaut wurde, gestaltete man 1992 auch das ehemalige Schulhofgelände in eine Grünfläche mit einem imposanten Metallkunstwerk um. Der Münchner Alf Lechner nennt sein Werk „Kreis Rhythmus“. Im Leverkusener Volksmund heißt die beliebte geschwungene Skulptur „Notenschlüssel“, obwohl sie nicht wie ein solcher aussieht.

Ein aus einem Stahl-Vierkantstab gebildeter Kreis wird an einer Stelle durchtrennt und nach etwa zwei Dritteln seines Umfanges in den Raum hinein geknickt. Es entsteht eine rhythmische, auf- und wieder abschwellende Linie – ein erstaunlich komplexes Gebilde, dessen einfache Auflösung erst bei genauem Hinsehen erkennbar wird.

Kunst und Verkehrsinseln und Verkehrsberuhigung

In den 1960er-Jahren riss man auch die Kolonienhäuser hinter der heutigen Rathausgalerie, damals Bayerkaufhaus, ab und baute die Einkaufscity mit Luminaden und Kaufhof als Schlusspunkt. Zunächst fuhren in der Oberen Hauptstraße noch Autos, später wurde dieser Bereich Fußgängerzone.

An der unteren Hauptstraße riss man die Häuser der ehemaligen Kolonie 1 (Julia und die Ledigenwohnheime) ab . Die Abrisse sind erfolgt, um die Bedingungen des Abstandserlasses zwischen Industrie und Wohnen zu erfüllen. In der Folge sind 10.000 Einwohner aus dem alten Stadtteil Wiesdorf verdrängt worden. Neu gebaut wurden die Arkaden und drei Gebäude, in denen zunächst Lehrlinge, später Verwaltungseinheiten der Bayer AG untergebracht waren. Bis heute sind die durch großflächige Abrisse entstandenen Lücken zu sehen. Das Wiesdorfer Stadtbild ist zerrissen.

Um die neue City und die Kolonienhäuser miteinander zu verbinden, gestaltete Eberhard Foest an der Ecke Wöhlerstraße / Nobelstraße einen begrünten Brunnen aus braunem Granit und Edelstahl.

Vor der Christuskirche entstand gleichfalls ein begrünter Kreisverkehr mit drei Kreuzen, der den Verkehr von der Fußgängerzone in der City ableitete.

Die Verkehrsinseln helfen einerseits das gestiegene Verkehrsaufkommen zu ordnen, andererseits setzen sie auch einen beruhigenden Kontrapunkt zur Hektik in der City. Der Dino von Odo Rumpf vor dem Kinopolis lädt besonders dann, wenn Kinder an Bord sind, zum langsamen Fahren und Betrachten ein. Ein ähnlicher kommunikativer Effekt wird durch die jüngste Wiesdorfer Skulptur „Läufer“ (2020) von Michael Salge erzielt. Unwillkürlich entsteht bei den Betrachtern die Frage, „eilen die beiden Figuren verspätet zu einer Kulturveranstaltung ins Forum oder hätte man sie besser umgekehrt als Menschen, die zum Zug hetzen, aufgestellt“.

Mit dieser, nach den schwierigen wirtschaftlichen Jahren neu aufgestellten Skulptur wird auch eine neue Etappe der Stadtentwicklung markiert. Bahnhof und Busbahnhof wurden optisch neu und ansprechend umgestaltet. Die Voraussetzungen für den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel sind verbessert worden und Fahrradfahrer finden auf neu angelegten Wegen schneller durch die Stadt. Wiesdorf, das in den Wirtschaftswunderjahren mit dem Europaring zur Autostadt ausgebaut wurde, präsentiert sich in den Kunstwerken verkehrspolitisch neu.